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Vollgewinde oder Teilgewinde? Welche Holzschraube brauche ich?

Vollgewinde oder Teilgewinde? Wenn ich zwei Holzteile verschraube, entscheide ich heute nicht mehr nur nach Länge und Durchmesser. Entscheidend ist auch, ob die Schraube die Bauteile beim Eindrehen zusammenziehen soll oder ob das Gewinde über einen größeren Bereich der Verbindung greifen soll.

Genau darüber bin ich bei einer einfachen Gardena-Halterung im Schuppen gestolpert: Zuerst griff ich zu einer Vollgewindeschraube. Nach dem Wechsel auf Teilgewinde merkte ich direkt, wie sich die Holzleiste sauberer an die OSB-Platte heranzog. Beim Bau meines Carports brauchte ich dagegen beide Varianten sogar in derselben Verbindung.

TL;DR: Vollgewinde oder Teilgewinde in 30 Sekunden

Vollgewinde oder Teilgewinde: die kurze Antwort

Wenn du zwei Holzteile beim Einschrauben dicht aneinanderziehen möchtest, ist eine passend dimensionierte Teilgewindeschraube häufig die naheliegende Wahl. Der glatte Schaftbereich kann durch das obere Bauteil laufen, während das Gewinde im unteren Bauteil greift. Der Schraubenkopf zieht das obere Holz dann an das untere heran.

Bei einer Vollgewindeschraube reicht das Gewinde dagegen über nahezu die gesamte nutzbare Schaftlänge. Dadurch kann sie Kräfte über einen größeren Gewindebereich ins Holz einleiten. Vollgewindeschrauben werden deshalb unter anderem für konstruktive Holzverbindungen und Verstärkungen eingesetzt. Eine gute fachliche Einordnung dazu bietet auch der fischer-Ratgeber zu Vollgewindeschrauben.

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Deine AufgabeZuerst prüfenWarum?
Zwei Holzteile beim Eindrehen zusammenziehenTeilgewindeDer glatte Schaft kann im oberen Bauteil liegen; das Gewinde greift im unteren.
Gewinde soll über einen großen Bereich der Verbindung greifenVollgewindeDas Gewinde reicht fast über die gesamte nutzbare Schaftlänge.
Metallbeschlag auf Holz befestigenNicht nur nach Gewindeart entscheidenKopfform, Beschlag, Schraubenfreigabe und Aufbau sind zusätzlich wichtig.
Tragende HolzkonstruktionSystem-/BemessungsvorgabenLänge, Durchmesser, Winkel, Randabstände und Schraubenanzahl gehören zusammen.

So erkennst du Vollgewinde und Teilgewinde

Der Unterschied ist direkt am Schaft sichtbar. Bei einer Teilgewindeschraube befindet sich zwischen Kopf und Gewinde ein glatter Bereich ohne Gewindegänge. Bei einer Vollgewindeschraube läuft das Gewinde dagegen fast bis zum Schraubenkopf.

Wichtig: Die Gewindeart ist nicht dasselbe wie die Kopfform. Senkkopf, Tellerkopf oder Zylinderkopf beschreiben den Kopf; Voll- oder Teilgewinde beschreibt den Gewindeverlauf. Genau deshalb kann eine Holzverbindung mehrere Schrauben mit unterschiedlichen Kombinationen sinnvoll nutzen.

Vollgewinde oder Teilgewinde – zwei Holzschrauben direkt im Vergleich
Oben Teilgewinde mit glattem Schaftbereich, unten Vollgewinde: Im direkten Vergleich lässt sich der unterschiedliche Gewindeverlauf sofort erkennen.

Warum Teilgewinde zwei Holzteile zusammenziehen kann

Der typische Zusammenzieheffekt entsteht dann, wenn das Gewinde im zweiten Bauteil greift und der gewindefreie Schaft im ersten Bauteil liegt. Beim Eindrehen wandert das Gewinde tiefer ins untere Holz. Der Kopf liegt am oberen Holz an und zieht dieses mit.

Deshalb ist die einfache Merkregel „Teilgewinde zieht zusammen“ noch nicht vollständig. Die Gewindelänge muss zur Dicke des oberen Bauteils passen. Reicht das Gewinde weit in das obere Holz hinein, kann dort ebenfalls Gewindeeingriff entstehen.

Umgekehrt ist eine Vollgewindeschraube nicht grundsätzlich ungeeignet, zwei Hölzer zu verbinden. Liegen die Bauteile bereits dicht aneinander oder ist das obere Bauteil passend freigebohrt, kann eine Vollgewindeverbindung ebenfalls funktionieren. Für den typischen direkten Zusammenzieheffekt ist Teilgewinde aber sehr praktisch.

Meine Gardena-Halterung: Erst Vollgewinde, dann Teilgewinde

Bei meiner selbst gebauten Gartengeräte-Halterung im Schuppen habe ich genau diesen Unterschied bemerkt. Die Halterung ist eine einfache Holzleiste, in die ich mit dem Forstnerbohrer Löcher gebohrt habe. Anschließend sollte die Leiste von innen an eine OSB-Platte.

Beim ersten Versuch griff ich ohne groß darüber nachzudenken zu einer Vollgewindeschraube. Danach wechselte ich auf Teilgewinde – und merkte beim Festschrauben direkt, dass sich die Leiste damit besser an die OSB-Platte heranzog. Das war für mich der praktische Aha-Moment hinter dem theoretischen Unterschied.

Holzleiste für Kleingeräte mit Wasserwaage und Schraubzwinge an der OSB-Wand ausgerichtet
Hier richte ich die DIY-Geräteleiste an der OSB-Wand aus. Beim anschließenden Verschrauben wechselte ich von Voll- auf Teilgewinde und merkte, wie sich die Leiste damit besser an die Platte heranzog.

Ich leite daraus bewusst keine Regel ab, dass Vollgewinde bei jeder Leiste automatisch einen Spalt erzeugt. Der Aufbau, die Vorspannung der Bauteile und eine mögliche Vorbohrung spielen mit hinein. Meine Beobachtung bezieht sich auf genau diese direkte Leiste-auf-OSB-Verbindung.

Wofür Vollgewinde sinnvoll ist

Vollgewinde erfüllt eine andere Aufgabe. Weil das Gewinde über einen großen Teil der Schraube greift, lässt sich die Verbindung über diesen Bereich belasten beziehungsweise konstruktiv auslegen. Im Holzbau kommen solche Schrauben unter anderem für tragende Verbindungen und Verstärkungen zum Einsatz.

Das ist zugleich der Punkt, an dem einfache Heimwerker-Faustregeln enden. Bei tragenden Bauteilen würde ich nicht aus „Vollgewinde = konstruktiv“ selbst Länge, Durchmesser, Einschraubwinkel oder Anzahl ableiten. Dafür gehören die Vorgaben und die Bemessung des verwendeten Schraubensystems dazu.

Mein Carport: Beide Gewindearten in derselben Verbindung

Beim Bau meines Holz-Carports habe ich mich für die tragenden Holzverbindungen an einem SPAX-Video zur Carport-Verschraubung orientiert. Meine Pfosten messen 140 × 140 mm, die Pfetten 140 × 280 mm und die Sparren 100 × 200 mm.

Das Prinzip war bei meinen Verbindungen gleich: Zuerst setzte ich eine Tellerkopfschraube mit Teilgewinde ein, um die Hölzer dicht zusammenzuziehen. Danach folgten zwei Zylinderkopfschrauben mit Vollgewinde schräg in der Verbindung. Teil- und Vollgewinde waren damit keine Alternativen, sondern hatten nacheinander unterschiedliche Aufgaben.

In meinem Carport betrifft dieses Schema 27 Sparren-Pfetten-Verbindungen – neun Sparren über drei Pfetten –, dazu 6 Pfette-Pfosten-Verbindungen und 4 Verbindungen an den Kopfbändern. Das sind insgesamt 37 Holzverbindungen mit 37 Tellerkopf-Teilgewindeschrauben und 74 Zylinderkopf-Vollgewindeschrauben.

Diese Zahlen dokumentieren meinen Aufbau. Sie sind keine nachträgliche statische Freigabe für andere Carports. Welche Schrauben bei einer tragenden Konstruktion zulässig und erforderlich sind, hängt vom konkreten System und der Bemessung ab.

Der Denkfehler: Vollgewinde hält mehr, also nehme ich immer Vollgewinde

So würde ich mir den Unterschied nicht merken. Eine Schraube muss nicht nur „halten“, sondern in der jeweiligen Verbindung die gewünschte Aufgabe übernehmen. Greift eine Vollgewindeschraube beim direkten Verschrauben bereits in beiden Holzteilen, kann ein vorhandener Abstand zwischen den Bauteilen erhalten bleiben.

Bei einer passenden Teilgewindeschraube kann das obere Bauteil dagegen im glatten Schaftbereich nachrutschen und vom Kopf an das zweite Bauteil gezogen werden. Genau dieses Verhalten habe ich an meiner Gardena-Leiste bemerkt.

Deshalb speichere ich mir nicht „Vollgewinde ist stärker“ oder „Teilgewinde ist besser“ ab, sondern frage zuerst: Was soll die Schraube an dieser Stelle tun?

Wann ich Teilgewinde zuerst prüfe

Teilgewinde prüfe ich heute zuerst, wenn ich ein Holzbauteil direkt auf ein anderes setzen und es beim Einschrauben heranziehen möchte. Typische Beispiele sind Leisten, Bretter oder vergleichbare Holz-Holz-Verbindungen.

Danach schaue ich aber nicht nur auf die Bezeichnung „Teilgewinde“, sondern auf die konkrete Länge: Der glatte Schaftbereich sollte zur Dicke des oberen Bauteils passen. Außerdem müssen Kopf, Durchmesser, Einschraubtiefe und die Eignung der Schraube zur Anwendung passen.

Wann Vollgewinde zuerst in Frage kommt

Vollgewinde kommt für mich dann zuerst in Frage, wenn das Gewinde bewusst über einen großen Bereich der Verbindung greifen soll – beispielsweise bei konstruktiven Holzverbindungen oder Verstärkungen. Auch hier ist die Gewindeart aber nur ein Merkmal unter mehreren.

Bei normalen Heimwerkerarbeiten kann Vollgewinde ebenfalls richtig sein. Entscheidend ist, ob die Bauteile bereits sauber anliegen, ob ein Zusammenzieheffekt überhaupt gebraucht wird und welche Schraube für den konkreten Aufbau vorgesehen ist.

Vollgewinde oder Teilgewinde? Meine 3 einfachen Praxis-Regeln

1. Zwei Holzteile sollen sich beim Einschrauben zusammenziehen: Dann prüfe ich zuerst Teilgewinde und kontrolliere, ob der glatte Schaftbereich zur Dicke des oberen Bauteils und zur Verbindung passt.

2. Das Gewinde soll bewusst über einen größeren Bereich greifen: Dann kann Vollgewinde sinnvoll sein. Ob es für den konkreten Aufbau passt, hängt aber zusätzlich von Schraube, Bauteilen und Anwendung ab.

3. Die Verbindung ist tragend oder konstruktiv relevant: Dann verlasse ich mich nicht auf eine einfache Vollgewinde-oder-Teilgewinde-Faustregel, sondern auf die Vorgaben und die Bemessung des konkreten Schraubensystems.

Danach sind weitere Entscheidungen offen: Kopfform, Länge, Durchmesser, Material beziehungsweise Beschichtung, Vorbohren und Antrieb. Beim Antrieb hilft bereits mein Überblick zu PZ-, PH-, Torx- und Innensechskant-Bits; die übrigen Schraubenfragen baue ich im neuen Heimwerkerwissen-Cluster Schritt für Schritt weiter aus.

Mehr Heimwerker-Wissen zu Schrauben und Befestigen

Bis die weiteren Schrauben-Ratgeber veröffentlicht sind, führen dich diese drei bestehenden Beiträge sinnvoll weiter: zur konkreten Gardena-Anwendung, zu Bohrer-Grundlagen und zu den gängigen Schraubenantrieben.

Ich stehe auf meinem selbst gebauten Carport und walze mit einer Rasenwalze die PTFE Folie des Daches an.
Die EPDM-Folie des selbst gebauten
Carport-Daches wird mit einer
Rasenwalze angedrückt.
Andreas Jäger
Heimwerker & Werkzeug-Enthusiast

Seit Jahren verwandle ich mein Haus und den Garten in eine Dauerbaustelle – von der gepflasterten Einfahrt, den Beeten für die Frau und über die Mülltonnenbox bis hin zum neuen Carport.

Eines habe ich dabei schmerzhaft gelernt: Wer billiges Werkzeug kauft, flucht doppelt.

Obwohl ich kein gelernter Tischlermeister bin (und mir mein Held Jonas Winkler auf YouTube oft zeigt, wie es die absoluten Profis machen), weigere ich mich, mit minderwertigem Werkzeug und Material zu arbeiten.

Festool ist geil, reißt aber oft einen riesigen Krater ins Budget.

Deshalb analysiere ich vor jedem Projekt intensiv den Markt, um das perfekte Profi-Werkzeug für uns Selbermacher herauszufiltern. Profitiere von meinen tiefgehenden Analysen, überspringe die wochenlange eigene Recherche und hol Dir direkt das Werkzeug, das Dich auf der Baustelle wirklich voranbringt.