Ich habe in unserem Bad selbst durch bereits verlegte Fliesen gebohrt – für den Waschtisch sowie die Halterungen für Toilettenpapier und Toilettenbürste. Dabei kam mein Makita DHP453 zum Einsatz, aber ganz bewusst ohne Schlagfunktion. Gebohrt habe ich trocken mit älteren Bosch-Fliesenbohrern mit speerförmiger Spitze. Ich setzte den Bohrer gerade im 90-Grad-Winkel an und drückte die Spitze vor dem Start leicht von Hand an, damit sie sauber saß.
Das Ergebnis hat mich selbst überrascht: Keine Fliese ist gerissen oder abgeplatzt. Die wichtigste Erkenntnis aus meiner Praxis ist deshalb ziemlich unspektakulär: passender Fliesenbohrer, Schlag aus, sauber ansetzen und nicht mit Gewalt arbeiten.
Kurzantwort: Beim Fliesen bohren bleibt der Schlag durch die Fliese aus. Nutze einen für deine Fliesenart geeigneten Bohrer und bohre kontrolliert. Was nach der Fliese passiert, hängt vom Untergrund ab: Bei meinem Bad lagen dahinter Trockenbau beziehungsweise sehr weicher Porenbeton/Ytong; bei Ziegel oder Beton würde ich auf den dafür vorgesehenen Bohrer wechseln.
Welcher Bohrer eignet sich zum Fliesen bohren?
Eine Korrektur ist mir bei der Überarbeitung dieses Beitrags wichtig: Ich hatte meine damaligen Bosch-Bohrer zunächst als Diamantbohrer bezeichnet. Das Foto meines alten Sets zeigt jedoch eine klassische speerförmige Fliesenbohrer-Spitze und keine Diamant-Hohlbohrkrone. Das genaue ältere Bosch-Set kann ich heute nicht mehr sicher bestimmen. Deshalb nenne ich es hier bewusst nur noch „ältere Bosch-Fliesenbohrer mit speerförmiger Hartmetallspitze“ – und erfinde keine Modellnummer dazu.
Bosch trennt auch heute zwischen verschiedenen Lösungen: Der CYL-9 Soft Ceramic ist für weiche Keramikfliesen gedacht und wird laut Hersteller trocken, im Drehmodus und mit niedriger Drehzahl verwendet. Für harte oder unbekannte Keramik gibt es den EXPERT HEX-9 Hard Ceramic. Diamant-Trocken- und Diamant-Nassbohrer sind wiederum eine eigene Bohrerklasse.
Wenn du bei Bohrerformen und Aufnahmen noch unsicher bist, hilft dir mein Überblick zu den Bohrerarten und Aufnahmen. Für Sonderfälle habe ich außerdem die wichtigsten Spezialbohrer separat erklärt.
Aktuelle Alternative für harte oder unbekannte Fliesen
Den aktuellen Bosch EXPERT HEX-9 Hard Ceramic habe ich bei meinem damaligen Badprojekt nicht selbst verwendet. Ich führe ihn trotzdem als aktuelle Alternative auf, weil Bosch ihn ausdrücklich für harte Keramikfliesen anbietet. Für dieses Modell nennt Bosch Rotationsmodus ohne Schlag, 1. Gang beziehungsweise weniger als 500 U/min und Trockenbohren ohne Kühlung. Diese Angaben gelten für den aktuellen HEX-9 – sie sind nicht nachträglich als Messwerte meiner damaligen Arbeit zu verstehen.
Vorbereitung: Das prüfe ich vor dem ersten Loch
Bevor der Bohrer die Fliese berührt, muss für mich klar sein, wo das Loch hin soll und was hinter der Fliese liegt. Gerade im Bad können Leitungen und Rohre hinter der Oberfläche verlaufen. Wenn die Leitungsführung nicht eindeutig ist, prüfe den Bereich vor dem Bohren. Mein Beitrag zu Ortungsgeräten für Leitungen in der Wand zeigt, worauf ich dabei achte.
- Befestigung prüfen: Lochdurchmesser und Bohrtiefe richten sich nach der konkreten Halterung, dem Dübel und dem Untergrund – nicht nach einer pauschalen „Badgröße“.
- Fliesenart einschätzen: Für weiche Keramik reicht ein anderer Fliesenbohrer als für sehr harte Keramik oder Feinsteinzeug.
- Schlagfunktion ausschalten: Durch die Fliese wird im reinen Drehmodus gebohrt.
- Bohrpunkt sauber markieren: So kannst du den Bohrer kontrolliert ansetzen.
- Schutzbrille tragen: Beim Anbohren können kleine Partikel von Glasur und Bohrstaub entstehen.
Wichtig: Verlasse dich bei Strom- und Wasserleitungen nicht auf Vermutungen. Wenn du den Wandaufbau oder die Leitungsführung nicht sicher einschätzen kannst, kläre das vor dem Bohren. Die Fliese ist ersetzbar – eine beschädigte Leitung kann den deutlich größeren Schaden verursachen.
Fliesen bohren: meine 5 Schritte aus der Praxis
1. Bohrpunkt festlegen und Untergrund prüfen
Ich richte die Halterung zuerst so aus, wie sie später wirklich sitzen soll, und übertrage erst dann die Bohrpunkte. Bei meinem Waschtisch war die Lage der Befestigung vorgegeben; bei den kleineren Badhaltern konnte ich die Position freier wählen. Entscheidend ist nicht, möglichst eine Fuge zu treffen, sondern die Befestigung an der richtigen Stelle und passend zum Untergrund zu setzen.
Vor dem Bohren prüfst du außerdem, was hinter der Fliese kommt. Das bestimmt später, ob du nach dem Durchbruch den Bohrer wechseln musst.
2. Fliesenbohrer einspannen und Schlag ausschalten
Bei mir saß der Bosch-Fliesenbohrer im Bohrfutter des Makita DHP453. Obwohl der DHP453 eine Schlagfunktion besitzt, habe ich für die Fliese nur die normale Drehbewegung verwendet. Genau diese Trennung ist wichtig: Ein Gerät mit Schlagfunktion ist nicht automatisch ungeeignet – der Schlag muss beim Bohren durch die Fliese nur ausgeschaltet bleiben.
Bei aktuellen Bosch-Fliesenbohrern nennt der Hersteller ebenfalls den reinen Rotationsmodus. Für den aktuellen HEX-9 Hard Ceramic ist der Schlagmodus ausdrücklich nicht vorgesehen.
3. Spitze bei 90 Grad sauber ansetzen
Hier hatte die Speerspitze meiner alten Bosch-Bohrer einen praktischen Vorteil. Ich setzte den Bohrer gerade im 90-Grad-Winkel auf den markierten Punkt und drückte ihn vor dem Einschalten mit der Hand leicht gegen die Fliese. Dadurch saß die Spitze bereits an der gewünschten Stelle, bevor sich das Bohrfutter drehte.
Ich habe die Glasur dabei nicht angekörnt und nicht mit einem Nagel oder alten Bohrer angeschlagen. Genau diesen Tipp aus der alten Artikelversion streiche ich: Einen spröden Fliesenbelag absichtlich anzuschlagen, nur um eine Vertiefung zu erzeugen, ist für mich kein sinnvoller Standardweg.
4. Trocken und kontrolliert durch die Fliese bohren
Dann habe ich trocken gebohrt und den Bohrer arbeiten lassen. Eine exakte Drehzahl von damals kann ich nicht mehr seriös nennen – deshalb erfinde ich hier keinen Wert. Entscheidend war bei mir, nicht hektisch mit Vollgas und Gewalt auf die Oberfläche zu drücken. Die Bohrer kamen überraschend gut durch unsere Badfliesen.
Falls du einen aktuellen HEX-9 Hard Ceramic nutzt, gelten die heutigen Bosch-Angaben: 1. Gang, unter 500 U/min, Rotationsmodus ohne Schlag und keine Kühlung. Bei einem anderen Fliesen- oder Diamantbohrer hältst du dich an dessen Herstellerangaben; Nass- und Trockenbohrer dürfen nicht einfach gleichbehandelt werden.
5. Nach dem Durchbruch auf den Wandaufbau reagieren
Bei meinem Bad musste ich nach der Fliese nicht auf einen Stein- oder Betonbohrer wechseln. Hinter den Fliesen befand sich Trockenbau beziehungsweise sehr weicher Porenbeton/Ytong. Mein damaliger speerförmiger Fliesenbohrer ging auch durch diesen weichen Untergrund.
Das ist aber meine konkrete Baustellenerfahrung und keine allgemeine Empfehlung für Mauerwerk. Bei Ziegel, Beton oder anderem festen Wandmaterial wechselst du nach der Fliese auf den dafür vorgesehenen Bohrer und wählst den Maschinenmodus passend zum Untergrund. Bosch weist beim aktuellen HEX-9 Hard Ceramic ausdrücklich darauf hin, dass dieser Fliesenbohrer nicht für Blöcke gedacht ist.
Anschließend kannst du das Bohrloch passend zur vorgesehenen Befestigung fertigstellen, Bohrstaub entfernen und Dübel beziehungsweise Befestigung nach den Vorgaben des Systems setzen.
Was bei meinem Badprojekt tatsächlich funktioniert hat
Die wichtigste eigene Erfahrung aus diesem Projekt ist für mich nicht irgendeine theoretische Härteskala, sondern das Ergebnis an der Wand: Ich habe die Löcher für Waschtisch, Toilettenpapierhalter und Toilettenbürstenhalter selbst gebohrt und dabei keine Fliese beschädigt. Das Bohren war deutlich unkomplizierter, als ich vorher erwartet hatte.
Besonders gut funktioniert hat bei mir die Kombination aus Makita DHP453 ohne Schlag, dem spitzen Bosch-Fliesenbohrer, trockenem Bohren und dem kontrollierten 90-Grad-Ansatz. Ich kann daraus aber nicht ableiten, dass derselbe alte Bohrer für jedes Feinsteinzeug funktioniert – die genaue Fliesenart und das alte Bosch-Set kann ich heute nicht mehr sicher bestimmen.
Eine weniger schöne Langzeiterfahrung gibt es auch: Die alten Bohrer liegen noch bei mir, sind im Schuppen inzwischen aber stark angerostet. Wenn du hochwertige Bohrer länger behalten willst, ist trockene Lagerung deshalb kein Nebenthema. Dazu habe ich einen eigenen Beitrag über Bohrer-Aufbewahrung und Rostschutz.
Diese Fehler würde ich beim Fliesen bohren vermeiden
- Schlag durch die Fliese: Für Fliesenbohrer wie die aktuellen Bosch CYL-9/HEX-9 ist der reine Drehmodus vorgesehen.
- Falschen Bohrertyp verwenden: Ein Bohrer für weiche Keramik ist nicht automatisch die passende Wahl für harte Keramik oder Feinsteinzeug.
- Die Glasur ankörnen: Ich würde nicht mit Körner, Nagel oder altem Bohrer auf die Fliese schlagen, um künstlich eine Vertiefung zu erzeugen.
- Mit Gewalt beschleunigen: Hoher Druck und unkontrollierte Drehzahl ersetzen keinen passenden Bohrer.
- Kühlung pauschalisieren: Meine alten Speerspitzen wurden trocken genutzt; Bosch CYL-9 Soft Ceramic und HEX-9 Hard Ceramic sind ebenfalls für trockenes Bohren ausgelegt. Bei Diamantbohrern gibt es dagegen je nach Produkt Nass- und Trockenlösungen.
- Den Untergrund vergessen: Nach der Fliese entscheidet das Material dahinter über Bohrer und Maschinenmodus.
Fliesen bohren mit Akkuschrauber – geht das?
Ja, ein Akkuschrauber beziehungsweise Akku-Schlagbohrschrauber kann dafür geeignet sein, wenn er einen normalen Drehmodus besitzt und du einen passenden Fliesenbohrer verwendest. Ich selbst habe mit dem Makita DHP453 gebohrt. Entscheidend war nicht die Schlagfunktion des Geräts, sondern dass sie ausgeschaltet blieb.
Gerade diese Suchfrage war für mich der Anlass, den alten Beitrag zu korrigieren: Du brauchst nicht automatisch eine Spezialmaschine. Der Bohrer muss zur Fliese passen, der Modus muss stimmen und du solltest kontrolliert arbeiten.
Mein Ergebnis: einfacher als erwartet – aber nicht mit jedem Bohrer
Bei meinen eigenen Badarbeiten hat die Methode zuverlässig funktioniert: trocken, ohne Schlag, bei 90 Grad angesetzt und mit einem passenden speerförmigen Bosch-Fliesenbohrer. Keine Fliese ist gerissen. Das ist die Erfahrung, die ich aus meinem Badprojekt wirklich belegen kann.
Was ich heute anders formuliere als in der alten Version: Ich verspreche nicht mehr, dass ein bestimmter Bohrer „jedes Feinsteinzeug“ schafft, ich nenne meine alten Bohrer nicht mehr Diamantbohrer und ich empfehle keinen automatischen Schlag- oder Bohrerwechsel ohne Blick auf den Wandaufbau.
Mehr zum Bohren und Befestigen
Wenn du nach dem Fliesenprojekt weiter ins Thema einsteigen willst, findest du in meinen Ratgebern die Grundlagen zu Bohrerarten, Spezialbohrern, Ortungsgeräten und zur richtigen Aufbewahrung.
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