Schraubenkopf ist nicht nur eine Frage der Optik. Senkkopf, Tellerkopf und Zylinderkopf erfüllen unterschiedliche Aufgaben – und beim Bau meines Carports habe ich Tellerkopf und Zylinderkopf sogar innerhalb derselben Holzverbindung eingesetzt.
Zuerst zog ich die beiden Holzbauteile mit einer Teilgewindeschraube mit Tellerkopf zusammen. Danach setzte ich zwei Vollgewindeschrauben mit Zylinderkopf schräg in die Verbindung. Der Senkkopf ist dagegen dann interessant, wenn der Kopf möglichst bündig in der Oberfläche verschwinden soll.
TL;DR: Schraubenkopf in 30 Sekunden
Schraubenkopf: die 3 Formen im schnellen Vergleich
Wenn ich heute eine Holzschraube auswähle, frage ich zuerst, was der Kopf an dieser Stelle leisten soll: Soll er bündig verschwinden, möglichst großflächig auf dem Holz aufliegen oder gehört er zu einem konstruktiven Schraubsystem mit bewusst kleinerem Kopf?
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| Kopfform | Typische Eigenschaft | Zuerst prüfen, wenn … |
|---|---|---|
| Senkkopf | konischer Kopf, kann bündig versenkt werden | die Oberfläche möglichst eben bleiben soll |
| Tellerkopf | großer Kopfdurchmesser und große Auflagefläche | der Kopf großflächig Druck auf das Holz übertragen soll |
| Zylinderkopf | bei den hier betrachteten Holzbauschrauben kleinerer, schlanker Kopf | das verwendete Schraubsystem einen kleineren Kopf für die konstruktive Verbindung vorsieht |
Die Tabelle ist eine Entscheidungshilfe und keine statische Freigabe. Bei tragenden Holzverbindungen gehören Schraubentyp, Gewinde, Länge, Durchmesser, Einschraubrichtung und Bemessung zusammen.
Senkkopf: wenn der Kopf bündig verschwinden soll
Der Senkkopf ist die Kopfform, die viele Heimwerker von normalen Holz- und Spanplattenschrauben kennen. Seine Unterseite läuft konisch zu. Dadurch kann sich der Kopf beim Eindrehen in das Holz beziehungsweise in eine vorbereitete Senkung setzen und nahezu bündig abschließen.
Das ist praktisch, wenn später nichts überstehen soll – etwa bei Brettern, Möbeln oder Verkleidungen. In meinem Schraubenbestand habe ich unter anderem SPAX 4,5 × 40 mm mit Senkkopf und T20-Antrieb. Den konkreten früheren Einsatz genau dieser Packung kann ich heute nicht mehr sicher zuordnen; deshalb nutze ich sie hier nur als reales Anschauungsbeispiel.
Wichtig: Senkkopf beschreibt nur die Kopfform. Ob die Schraube Voll- oder Teilgewinde besitzt, ist eine zweite Entscheidung. Den Unterschied erkläre ich separat in meinem Ratgeber Vollgewinde oder Teilgewinde?.
Tellerkopf: große Auflagefläche auf dem Holz
Der Tellerkopf besitzt einen deutlich größeren Durchmesser und liegt breit auf dem Holz auf. Dadurch verteilt sich die Kraft des Kopfes über eine größere Fläche. Im konstruktiven Holzbau kann genau das gewollt sein.
Beim Bau meines Carports war der Tellerkopf der erste Schritt meiner Holzverbindungen. Ich orientierte mich an der SPAX-Holzbauweise: Mit einer Teilgewindeschraube mit Tellerkopf zog ich die beiden Bauteile zunächst dicht zusammen. Der große Kopf blieb dabei bewusst sichtbar und sollte großflächig Druck auf das obere Holz ausüben.
Zylinderkopf: bei meinen Holzbauschrauben bewusst kleiner
Nach der Tellerkopfschraube setzte ich bei meinen Carportverbindungen jeweils zwei Vollgewindeschrauben mit Zylinderkopf schräg in die Verbindung. Bei diesen SPAX-Holzbauschrauben ist der Kopf deutlich kleiner als der Tellerkopf und erfüllt damit eine andere Aufgabe.
Das darf man nicht verallgemeinern zu „Zylinderkopf = tragende Holzverschraubung“. Zylinderkopf beschreibt zunächst nur die Kopfform. Ob eine konkrete Schraube für eine konstruktive oder tragende Verbindung geeignet ist, ergibt sich aus dem jeweiligen Schraubsystem und dessen Vorgaben.
Mein Carport: Tellerkopf und Zylinderkopf in derselben Verbindung
An meinem Holz-Carport lässt sich der Unterschied besonders gut zeigen. Die Pfosten messen 140 × 140 mm, die Pfetten 140 × 280 mm und die Sparren 100 × 200 mm. Für die konstruktiven Holzverbindungen habe ich mich an einem SPAX-Video zur Carport-Verschraubung orientiert.
Das Prinzip war bei meinen Verbindungen gleich: Zuerst eine Tellerkopf-Teilgewindeschraube zum Zusammenziehen, danach zwei Zylinderkopf-Vollgewindeschrauben schräg zur Sicherung der Verbindung.
Dieses Schema betrifft 27 Sparren-Pfetten-Verbindungen – neun Sparren über drei Pfetten –, dazu 6 Pfette-Pfosten-Verbindungen und 4 Verbindungen an den Kopfbändern. Das sind insgesamt 37 Holzverbindungen mit 37 Tellerkopfschrauben und 74 Zylinderkopfschrauben.
Diese Zahlen dokumentieren meinen Aufbau. Sie sind keine nachträgliche statische Freigabe für andere Carports. Welche Schrauben für eine tragende Konstruktion erforderlich und zulässig sind, hängt vom konkreten System und der Bemessung ab.
Ein konkretes Beispiel aus meinem Schraubeneinkauf: Für den Carport habe ich unter anderem SPAX-Holzbauschrauben mit Tellerkopf, Teilgewinde und 8 × 280 mm gekauft. Die Größe ist hier bewusst nur ein Praxisbeispiel. Daraus lässt sich weder ableiten, dass 280 mm für eine andere Verbindung passen, noch welche einzelne sichtbare Verbindung meines Carports genau diese Länge enthält.
Bei einer eigenen Konstruktion würde ich deshalb nicht von meiner Länge ausgehen, sondern Bauteildicken, erforderliche Einschraubtiefe und die Vorgaben des konkret verwendeten Schraubsystems prüfen.
Senkkopf oder Tellerkopf: Was ist der praktische Unterschied?
Wenn ich zwischen Senk- und Tellerkopf wähle, frage ich zuerst: Soll der Kopf verschwinden oder soll er möglichst groß auf dem Bauteil aufliegen?
Für eine bündige Oberfläche ist ein geeigneter Senkkopf oft die naheliegende Bauform. Wenn dagegen eine große Auflagefläche gewünscht ist, kann ein Tellerkopf sinnvoll sein. Daraus folgt aber nicht, dass jeder Tellerkopf automatisch mehr tragen darf als jede Senkkopfschraube – für Belastbarkeit zählt immer die konkrete Schraube im konkreten System.
Tellerkopf oder Zylinderkopf: Was ist bei Holzbauverbindungen anders?
Bei meinem Carport waren Tellerkopf und Zylinderkopf keine konkurrierenden Optionen. Der Tellerkopf gehörte zur Schraube, mit der ich die Hölzer zunächst zusammenzog. Die kleineren Zylinderköpfe gehörten zu den anschließend schräg gesetzten Vollgewindeschrauben.
Deshalb würde ich mir nicht „Tellerkopf ist stärker“ oder „Zylinderkopf ist besser“ merken. Die hilfreichere Frage lautet: Welche Aufgabe soll diese Schraube in der Verbindung übernehmen?
Schraubenkopf und Schraubenantrieb sind nicht dasselbe
Senkkopf, Tellerkopf und Zylinderkopf beschreiben die Form des Schraubenkopfes. Torx/TX, PH, PZ oder Innensechskant beschreiben dagegen den Antrieb. Eine Senkkopfschraube kann beispielsweise einen Torx-Antrieb besitzen – genau wie Teller- oder Zylinderkopfschrauben.
Wenn du bei PH, PZ und Torx unsicher bist, findest du dazu bereits meinen Praxisüberblick zu Schraubenantrieben und Bits. Der eigentliche Antriebs-Ratgeber bekommt innerhalb dieses Schrauben-Clusters später eine eigene URL.
Welchen Schraubenkopf nehme ich? Meine 3 einfachen Regeln
1. Der Kopf soll möglichst bündig verschwinden: Dann prüfe ich zuerst einen geeigneten Senkkopf.
2. Der Kopf soll großflächig auf dem Holz aufliegen: Dann prüfe ich einen Tellerkopf und die konkrete Freigabe der Schraube für den Aufbau.
3. Es geht um eine konstruktive Holzverbindung: Dann entscheide ich nicht allein nach der Kopfform, sondern nach dem vorgesehenen Schraubsystem. Bei meinem Carport waren die kleineren Zylinderköpfe Teil der schräg gesetzten Vollgewindeschrauben.
Danach bleiben weitere Entscheidungen offen: Vollgewinde oder Teilgewinde, Länge, Durchmesser, Material beziehungsweise Beschichtung, Vorbohren und Antrieb. Genau deshalb baue ich den Themenbereich „Schrauben & Befestigen“ als Entscheidungs-Cluster auf und nicht als Schraubenlexikon.
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