Ein Bosch Werkzeug-Adventskalender kann beim Auspacken durchaus Spaß machen. Interessanter finde ich inzwischen aber die Frage, was von den Werkzeugen Jahre später tatsächlich noch benutzt wird. Zwei Bosch-Werkzeugsets aus früheren Kalendern habe ich noch fast vollständig in ihren Stofftaschen – und genau diese Langzeiterfahrung fällt bei mir deutlich nüchterner aus als der erste Eindruck beim Öffnen.
Die eigentlichen Adventskalender-Verpackungen habe ich nicht mehr. Geblieben sind die Werkzeuge. Aus dem älteren Set habe ich im vergangenen Jahr praktisch nichts benutzt, und auch das zweite Set liegt bei mir schon längere Zeit weitgehend ungenutzt. Das bedeutet für mich nicht automatisch, dass die Werkzeuge schlecht sind – ihre Funktionen sind in meinem vorhandenen Werkzeugbestand schlicht bereits anderweitig abgedeckt.
Für mich ist bei einem Bosch Werkzeug-Adventskalender deshalb nicht die Zahl der Teile entscheidend, sondern die Frage: Was davon landet nach Weihnachten wirklich dauerhaft im Werkzeugalltag?
Meine beiden Bosch Werkzeug-Adventskalender im Rückblick
Die ursprünglichen Kalenderkartons sind nicht mehr vorhanden. Erhalten sind die beiden Werkzeugsets in ihren Taschen. Anhand des jeweiligen Inhalts lassen sie sich sehr plausibel zwei konkreten Bosch-Kalendergenerationen zuordnen.
Ich meine, insgesamt sogar drei Werkzeug-Adventskalender gehabt zu haben. Einen dritten kann ich heute aber nicht mehr sicher identifizieren. Deshalb beziehe ich mich hier ausschließlich auf die zwei Bosch-Sets, die ich tatsächlich noch vor mir liegen habe.
Das ältere Set mit 1/4-Zoll-Ratsche
Das ältere Set passt sehr genau zum Bosch Adventskalender mit der Bestellnummer 1600A02W7T. Bosch dokumentiert dafür ein 28-teiliges Werkzeugset mit 1/4-Zoll-Ratsche, Universal-Schraubendreher, Bits, Steckschlüsseleinsätzen, Verlängerung, Adaptern und Stofftasche. Zum ursprünglichen Kalender gehörten außerdem Klappmesser und Flaschenöffner.
Auf dem Papier ist das eine vernünftige kleine Zusammenstellung. Gerade für jemanden, der noch wenig Werkzeug besitzt, lassen sich damit mehrere typische Schraubarbeiten abdecken.
Bei mir hat sich die kleine Ratsche trotzdem nicht durchgesetzt. Ich besitze andere Ratschen und nutze für meine typischen Arbeiten am häufigsten meinen 3/8-Zoll-Satz. Welche Größe wofür sinnvoll ist, beschreibe ich ausführlicher in meinem Ratgeber Welche Ratsche brauche ich?.
Das zweite Set mit T-Griff und Schraubendrehern
Das zweite Werkzeugset passt praktisch exakt zum Bosch Adventskalender mit der Bestellnummer 1600A0349X. Bosch dokumentiert dafür 33 Teile: einen Bit-Ratschenschraubendreher mit T-Griff, einen kurzen Bit-Schraubendreher, drei Präzisionsschraubendreher, vier lange Bits, 18 normale Bits, drei Steckschlüssel, eine magnetische Bit-Verlängerung und die Stofftasche. Zum Kalender gehörten außerdem Korkenzieher und Flaschenöffner.
Dieses Set ist anders aufgebaut als das ältere Ratschen-Set. Der T-Griff, der kurze Bit-Schraubendreher und die Präzisionsschraubendreher wirken zunächst wie eine interessante Ergänzung.
Im Alltag hat sich bei mir aber auch dieses Set nicht als feste Werkzeuglösung etabliert. Es liegt schon längere Zeit weitgehend ungenutzt in seiner Tasche.
5 klare Erfahrungen nach mehreren Jahren
1. Der Überraschungseffekt hat seinen Reiz
Ich würde Werkzeug-Adventskalender nicht grundsätzlich schlechtreden. Jeden Tag ein Werkzeug oder Zubehörteil auszupacken, macht durchaus Spaß. Gerade als Geschenk funktioniert das anders als ein normaler Werkzeugkoffer, der auf einmal vollständig übergeben wird.
Nur sagt dieser Geschenk- und Überraschungseffekt noch nichts darüber aus, wie häufig das Werkzeug später wirklich benutzt wird.
2. Wenig Nutzung bedeutet nicht automatisch schlechte Werkzeuge
Dass meine beiden Bosch-Sets heute kaum benutzt werden, würde ich nicht mit schlechter Qualität gleichsetzen. Die Werkzeuge sind noch in gutem Zustand und die Zusammenstellungen sind für typische Heimwerkeraufgaben grundsätzlich nachvollziehbar.
Mein Problem ist einfacher: Für viele Funktionen besitze ich inzwischen anderes Werkzeug, das ich lieber oder häufiger benutze. Ein Werkzeug kann völlig brauchbar sein und trotzdem für den eigenen Bestand überflüssig werden.
3. Bits sind bei vorhandenem Werkzeug schnell doppelt
PH, PZ, Torx, Schlitz und Innensechskant brauche ich regelmäßig. Genau diese Profile befinden sich bei mir aber bereits in anderen Bit-Sets. Zusätzliche Bits schaffen dadurch keine neue Möglichkeit, sondern werden eher zum weiteren Vorrat.
Für einen Einsteiger kann dieselbe Zusammenstellung dagegen deutlich mehr Wert haben. Wer noch kein vernünftiges Bit-Set besitzt, bekommt damit tatsächlich neue Möglichkeiten.
4. Steckschlüssel sind nur wertvoll, wenn sie wirklich fehlen
Im zweiten Set stecken Steckschlüssel in 8, 10 und 13 mm. Das sind sinnvolle Standardgrößen. Bei mir sind diese Größen aber bereits anderweitig vorhanden.
Genau darin steckt das Grundproblem: Ein Adventskalender muss Werkzeuge enthalten, die möglichst viele Heimwerker gebrauchen können. Wer schon lange Werkzeug besitzt, hat gerade diese universellen Größen oft längst.
5. Fast vollständige Sets können trotzdem kaum genutzt werden
Das ist für mich die deutlichste Erkenntnis. Nicht nur einzelne Werkzeuge sind übrig geblieben – große Teile beider Sets liegen noch gemeinsam in ihren Taschen.
Beim älteren Set habe ich im vergangenen Jahr praktisch nichts daraus benutzt. Das zweite Set liegt ebenfalls schon längere Zeit weitgehend ungenutzt. Genau deshalb beurteile ich einen Werkzeug-Adventskalender heute anders als am Tag des Auspackens.
„Kann man gebrauchen“ und „brauche ich tatsächlich“ sind für mich zwei unterschiedliche Dinge.
Warum ich die Bosch-Werkzeuge trotzdem nicht schlecht finde
Es wäre zu einfach, aus meiner geringen Nutzung zu schließen, dass Bosch hier schlechte Werkzeugsets zusammengestellt hat. Das sehe ich nicht so.
Das ältere Set deckt mit Ratsche, Stecknüssen und Bits typische Schraubarbeiten ab. Das zweite setzt stärker auf T-Griff, Schraubendreher, Präzisionswerkzeug und Bits. Die Konzepte unterscheiden sich also durchaus.
Mein Problem ist vielmehr mein vorhandener Werkzeugbestand. Je mehr Werkzeug bereits vorhanden ist, desto schwieriger wird es für ein Adventskalender-Set, dauerhaft einen festen Platz im Alltag zu bekommen.
Deshalb würde ich heute weniger auf die Teilezahl schauen und stärker auf die Frage: Ist hinter den Türchen etwas, das der Beschenkte tatsächlich noch nicht besitzt?
Für wen ein Bosch Werkzeug-Adventskalender sinnvoll sein kann
Für jemanden, der gerade erst einen Werkzeugbestand aufbaut, sehe ich einen Bosch Werkzeug-Adventskalender deutlich positiver. Das gilt zum Beispiel bei der ersten eigenen Wohnung oder wenn bisher nur wenige Schraubendreher, Bits und Steckschlüssel vorhanden sind.
Dann kann ein breites Set tatsächlich mehrere Lücken auf einmal schließen. Auch für einen Bosch-Fan kann der Geschenk- und Überraschungsfaktor wichtiger sein als die Frage, ob jedes einzelne Werkzeug zwingend benötigt wird.
Weniger passend finde ich solche Sets für Heimwerker, die bereits mehrere Bit-Sets, Ratschen, Steckschlüsselsätze und Schraubendreher besitzen. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Set zwar vollständig bleibt, aber wenig benutzt wird.
Würde ich wieder einen Bosch Werkzeug-Adventskalender kaufen?
Für mich selbst aktuell eher nicht. Nicht weil ich mit den Werkzeugen unzufrieden wäre, sondern weil mein Werkzeugbestand inzwischen zu umfangreich ist. Ein weiterer Satz Bits, Steckschlüssel oder eine zusätzliche kleine Ratsche würde meinen Alltag kaum verbessern.
Als Geschenk für jemanden mit wenig Werkzeug könnte ich mir einen Bosch Werkzeug-Adventskalender dagegen weiterhin vorstellen. Vor dem Kauf würde ich heute nur viel genauer prüfen, welche Funktionen tatsächlich noch fehlen.
Wenn du den aktuell angebotenen Bosch-Kalender suchst, vergleiche ich ihn zusammen mit Wera, HAZET, Einhell, Makita und Festool in meinem Werkzeug-Adventskalender-Vergleich. Das aktuelle Bosch-Modell habe ich nicht selbst getestet; meine Langzeiterfahrung in diesem Beitrag bezieht sich ausschließlich auf die beiden älteren, noch vorhandenen Werkzeugsets.
Mein Fazit nach zwei Bosch Werkzeug-Adventskalendern
Meine beiden Bosch Werkzeugsets waren beim Öffnen der damaligen Kalender durchaus nette Geschenke. Auch die Werkzeuge selbst halte ich nicht für schlecht.
Nach mehreren Jahren fällt mein persönliches Ergebnis trotzdem ernüchternd aus: Sehr viel ist noch vorhanden, aber sehr wenig davon ist dauerhaft in meinen Werkzeugalltag gewandert.
Gerade die kleine Ratsche, die vielen Bits und die Steckschlüssel zeigen mir, dass ein Werkzeug-Adventskalender für einen bereits gut ausgestatteten Heimwerker schnell mehr Doppelungen als echte Ergänzungen bringen kann.
Für Einsteiger oder als Geschenk kann das Konzept weiterhin sinnvoll sein. Für mich selbst würde ich das gleiche Budget heute aber lieber in ein Werkzeug investieren, das mir konkret noch fehlt und das ich anschließend regelmäßig benutze.
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