Tabless Akkus erklärt: Bosch, Festool & Makita im Vergleich

Tabless Akkus sollen bei hoher Last mehr Leistung und ein günstigeres Temperaturverhalten ermöglichen. Bosch, Festool und Makita setzen die Zelltechnik inzwischen in konkreten Akkupacks ein. Trotzdem ist „Tabless“ weder eine eigene Leistungsklasse noch ein Garant dafür, dass ein Akku für jedes Werkzeug automatisch die beste Wahl ist.

Dieser Ratgeber ordnet die Technik deshalb markenübergreifend ein. Ich konzentriere mich auf offiziell bestätigte Modelle und Herstellerangaben. Aussagen wie „Tabless verdoppelt immer die Laufzeit“, „jeder neue Premium-Akku ist Tabless“ oder „alte Akkus sind damit überflüssig“ vermeide ich bewusst.

TL;DR: Tabless Akku richtig eingeordnet

  • Technik: Viele parallele Strompfade können den Innenwiderstand reduzieren und die Wärmeverteilung verbessern.
  • Bosch: EXBA18V-40 und EXBA18V-80 sind offiziell Tabless; Bosch nennt bis zu 2.000 beziehungsweise 2.400 W Maximalleistung.
  • Festool: BP 18 TBX 4 und BP 18 TBX 8 sind seit 2026 die neuen Tabless-Akkupacks der 18-V-Plattform.
  • Makita: BL4040F und BL4080H sind offiziell als Tabless bestätigt.
  • Kaufregel: Nicht wegen des Begriffs Tabless allein wechseln – Gerät, Kapazität, Gewicht, Preis und Herstellerfreigabe bleiben entscheidend.

Was ist ein Tabless Akku?

In klassischen Lithium-Ionen-Rundzellen wird der Strom über wenige Kontaktlaschen – die sogenannten Tabs – aus der aufgewickelten Elektrodenstruktur geführt. Bei Tabless-Zellen wird die Stromführung auf zahlreiche parallele Kontaktpunkte verteilt. Bosch beschreibt das als Beseitigung eines elektrischen Engpasses; Festool spricht ebenfalls von vielen parallelen Kontaktpunkten statt einzelner Laschen.

Der technische Nutzen liegt vor allem in einem geringeren Innenwiderstand. Weniger Widerstand bedeutet bei hoher Last potenziell weniger Verlustwärme. Dadurch kann ein Akkupack hohe Ströme länger bereitstellen oder bei gleicher Baugröße eine höhere Leistungsdichte erreichen. Wie groß der Effekt tatsächlich ist, hängt aber vom kompletten Akkupack, der Geräteelektronik und der Anwendung ab.

Schematischer Vergleich klassische Akkuzelle und Tabless-Zelle
Die Grafik erklärt den Unterschied der Strompfade vereinfacht. Sie ist keine reale Hersteller-Schnittzeichnung und bildet keinen konkreten Zelltyp maßstäblich ab.

Wichtig zur Grafik: „Tabless“ beschreibt ein Konstruktionsprinzip der Stromableitung. Der konkrete innere Aufbau unterscheidet sich je nach Zellhersteller und Zelltyp. Die Abbildung oben visualisiert deshalb nur das Prinzip und ist ausdrücklich kein Querschnitt einer Bosch-, Festool- oder Makita-Zelle.

Welche Vorteile kann Tabless tatsächlich bringen?

  • Mehr mögliche Leistungsabgabe: Bosch nennt beim EXBA18V-40 bis zu 2.000 W und beim EXBA18V-80 bis zu 2.400 W Maximalleistung.
  • Weniger Wärme unter Last: Makita nennt beim BL4040F gegenüber BL4040 bis zu 45 % niedrigere Akkutemperatur unter den beschriebenen Bedingungen.
  • Bessere Dauerlastfähigkeit: Weniger Erwärmung kann thermische Grenzen später erreichen lassen.
  • Schnelleres Laden: Festool nennt beim TBX 8 in Verbindung mit dem SCA 16 eine Ladezeit von 25 Minuten.
  • Hohe Energiedichte: Besonders kompakte Packs können bei hoher Leistungsanforderung leichter oder kleiner ausfallen.

Diese Werte sind nicht markenübergreifend vergleichbar. Bosch, Festool und Makita verwenden unterschiedliche Geräte, Vergleichsakkus und Testbedingungen. Ein Prozentwert eines Herstellers darf deshalb nicht einfach auf ein anderes Akkusystem übertragen werden.

Was Tabless nicht automatisch bedeutet

Tabless ist keine eigene Leistungsklasse

  • Mehr Ah entstehen dadurch nicht. Kapazität und Zellkontaktierung sind unterschiedliche Dinge.
  • Mehr reale Laufzeit ist nicht garantiert. Entscheidend sind Wh, Lastprofil, Wirkungsgrad und Abschaltgrenzen.
  • Ein Tabless-Akku macht nicht jedes Werkzeug automatisch stärker. Die Maschine muss die zusätzliche Leistungsreserve abrufen können.
  • Nicht jeder neue Premium-Akku ist Tabless. Auf die konkrete Modellnummer und Herstellerdokumentation kommt es an.
  • Vorhandene Akkus werden nicht wertlos. Für moderate Anwendungen können Standardakkus weiterhin völlig ausreichen.
Tabless Akku
Tabless ist kein automatisches Versprechen für mehr Ah, mehr Laufzeit oder mehr Werkzeugleistung. Entscheidend bleiben Akkupack, Gerät und Anwendung.

Bosch: EXBA18V-40 und EXBA18V-80 mit Tabless

Beim EXBA18V-40 bestätigt Bosch leistungsfähige Tabless-Zellen und nennt bis zu 2.000 W Maximalleistung. Bosch vergleicht dabei mit dem Professional GBA 18V 4.0Ah und weist ausdrücklich auf einen internen Labortest mit neuem, voll geladenem Akku hin.

Bosch EXPERT EXBA18V-40 Tabless Akku mit technischen Daten
Bosch EXPERT EXBA18V-40: 18 V, 4,0 Ah und 0,605 kg. Bosch bestätigt für dieses Modell Tabless-Zellen.

Der größere EXBA18V-80 ist ebenfalls als Tabless dokumentiert. Bosch nennt bis zu 2.400 W Maximalleistung und in einem konkreten Schleiftest bis zu 120 % längere Laufzeit gegenüber dem Professional GBA 18V 4.0Ah. Dieser Wert gilt für den beschriebenen Test mit GWS 18V-15 S und darf nicht als pauschale Laufzeitsteigerung verstanden werden.

Wichtig: Der Begriff EXPERT allein ist kein Tabless-Nachweis. Entscheidend ist die konkrete Bosch-Modellseite beziehungsweise technische Dokumentation.

Festool: TBX 4 und TBX 8 seit 2026

Festool hat die Tabless-Akkupacks BP 18 TBX 4 und BP 18 TBX 8 2026 eingeführt. Sie ersetzen laut Festool die bisherigen Li-HighPower-Varianten mit 4,0 und 8,0 Ah.

Festool BP 18 TBX 4 C-ASI Tabless Akku mit technischen Daten
Festool BP 18 TBX 4 C-ASI: 18 V, 4,0 Ah und 0,60 kg. Festool führt den TBX 4 ausdrücklich als Tabless-Akkupack.

Festool nennt als Vorteile mehr Leistung, längere Laufzeiten und deutlich kürzere Ladezeiten. Beim TBX 8 nennt der Hersteller in Kombination mit dem SCA 16 eine Ladezeit von 25 Minuten. Festool betont zugleich, dass der Vorteil je nach Anwendung unterschiedlich ausfällt.

Die Herstellerkommunikation zur Einführung beschreibt die neuen Packs als kompatibel mit der Festool-18-V-Plattform. Für die optimale Akkuwahl bleibt die jeweilige Geräteempfehlung trotzdem sinnvoll.

Makita: BL4040F und BL4080H offiziell als Tabless bestätigt

Bei Makita sind im XGT-System der BL4040F und der BL4080H ausdrücklich als Tabless dokumentiert. Der BL4040F besitzt 4,0 Ah beziehungsweise 144 Wh. Makita Deutschland nennt gegenüber dem herkömmlichen BL4040 bis zu 35 % mehr Leistung und bis zu 45 % niedrigere Akkutemperatur.

Makita BL4040F XGT Tabless Akku mit technischen Daten
Makita BL4040F: 4,0 Ah, 144 Wh, 0,94 kg und 45 Minuten Ladezeit. Makita bestätigt beim BL4040F Tabless-Zellentechnologie.

Beim BL4080H bleiben Kapazität und Energie mit 8,0 Ah beziehungsweise 288 Wh auf dem Niveau des BL4080F. Makita USA nennt bis zu 35 % mehr Leistung gegenüber BL4080F und bis zu 32 % kühleren Betrieb. Die Aussage betrifft Leistungsabgabe und thermisches Verhalten – nicht 35 % mehr Kapazität oder garantierte 35 % mehr Laufzeit.

Für Makita gibt es deshalb einen eigenen Technik-Hub: Makita XGT Tabless Akkus. Dort geht es detaillierter um BL4040F, BL4080H und die Einordnung innerhalb des XGT-Systems.

Bosch, Festool und Makita: Wo liegen die Unterschiede?

Auf dem Smartphone seitlich wischen, um alle Spalten zu sehen.

MarkeBestätigte ModelleKapazitätenHersteller-Schwerpunkt
Bosch ProfessionalEXBA18V-40, EXBA18V-804,0 / 8,0 AhMaximalleistung, Energiedichte, COOLPACK 2.0
FestoolBP 18 TBX 4, BP 18 TBX 84,0 / 8,0 AhLeistung, Laufzeit, Ladezeit, Temperaturverhalten
Makita XGTBL4040F, BL4080H4,0 / 8,0 AhLeistungsabgabe und geringere Wärme unter Last
Herstellerwerte sind nicht direkt benchmarkfähig: Testgeräte, Vergleichsakkus und Messbedingungen unterscheiden sich.

Muss ich meine bisherigen Akkus jetzt ersetzen?

In den meisten Fällen: nein. Wenn ein vorhandener Akku deine Geräte zuverlässig versorgt und du weder thermische Abschaltungen noch fehlende Leistungsreserve bemerkst, gibt es keinen technischen Zwang zum Wechsel.

Tabless wird vor allem dann interessant, wenn du ohnehin einen neuen Akku brauchst oder häufig mit leistungsintensiven Maschinen arbeitest. Bei leichten Bohr-, Schraub- oder Montagearbeiten kann ein vorhandener kompakter Standardakku wirtschaftlich sinnvoller sein.

Wann lohnt sich ein Tabless Akku?

Nicht das Schlagwort kaufen – das Einsatzprofil entscheiden lassen

Tabless zuerst prüfen: bei hoher Dauerlast, leistungsintensiven Maschinen und wenn Gewicht beziehungsweise Energiedichte besonders wichtig sind.

Vorhandenen Akku behalten: wenn er deine Maschine zuverlässig versorgt und du keine Leistungs- oder Temperaturgrenze bemerkst.

Vor dem Kauf: konkrete Modellfreigabe, Kapazität in Wh, Gewicht, Ladegerät und Preis vergleichen. „Tabless“ allein ist kein vollständiges Kaufargument.

Quellen und Herstellerangaben

Stand der Herstellerprüfung: 3. September 2026. Hersteller können technische Daten, Kompatibilitätsangaben und Vergleichstests aktualisieren.

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