Carport selber bauen war bei mir kein einzelner Wochenendjob, sondern eine Kette sehr unterschiedlicher Arbeitsschritte. Von den sechs Pfosten über drei schwere Pfetten und neun Sparren bis zur Dachschalung, EPDM-Abdichtung und dem Finish musste ich immer wieder andere Werkzeuge und Lösungen einsetzen.
In diesem Beitrag fasse ich meinen kompletten Bauweg chronologisch zusammen. Die einzelnen Maße, Schraubenlängen und Verbindungen dokumentieren meinen eigenen Carport. Sie sind keine allgemeine statische Vorgabe für eine andere Konstruktion. Für jeden größeren Arbeitsschritt verlinke ich deshalb zusätzlich meinen ausführlichen Praxisbeitrag.
Mein Ziel ist hier nicht, neun bereits vorhandene Detailartikel zu wiederholen. Du bekommst stattdessen den roten Faden: Was kam in welcher Reihenfolge, was hat bei mir gut funktioniert und welche Fehler würde ich beim nächsten Mal vermeiden?
TL;DR: Mein Carport in 5 Punkten
Carport selber bauen: mein Aufbau im Überblick
Die tragende Grundkonstruktion meines Carports besteht aus 6 Pfosten mit 14×14 cm, 3 Pfetten mit 14×28 cm und 9 Sparren mit 10×20 cm. Die hintere Pfette ist zusätzlich an meiner Stahlbetongarage angebunden.
An den Holzverbindungen habe ich nicht überall dasselbe Schema verwendet. Die Pfette-Pfosten-Verbindungen, die Sparren-Auflager und die Kopfbänder unterscheiden sich bei mir sowohl konstruktiv als auch bei den Schraubenlängen.
Als fachliche Orientierung für konstruktive Holzverbindungen habe ich unter anderem die Carport-Unterlagen von SPAX genutzt. SPAX beschreibt dort die Aufgaben von Tellerkopf-Teilgewindeschrauben und Vollgewindeschrauben. Meine konkreten Abmessungen leite ich daraus aber nicht als allgemeine Empfehlung ab.
Schritt 1: Die 6 Carport-Pfosten aufstellen
Der sichtbare Holzbau begann mit den sechs Pfosten. Bevor die schweren Pfetten aufgesetzt werden konnten, mussten die Pfosten an ihren Positionen stehen, ausgerichtet und befestigt sein.
Die Details zu Pfostenträgern, Ausrichtung und meinem konkreten Aufbau habe ich im Beitrag Carport-Pfosten aufstellen dokumentiert.
Schritt 2: 8 Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen herstellen
Vor dem Aufsetzen der Pfetten musste ich die klassischen Holzverbindungen vorbereiten. Insgesamt habe ich acht Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen hergestellt: sechs zwischen Pfosten und Pfetten sowie zwei weitere an den vorderen Kopfbändern.
Die Schlitze fräste ich mit meiner Makita DRT50 und einer Schablone. Für die Zapfen sägte ich mit der Makita DHS900 von beiden Seiten mehrfach ein, entfernte das Material mit meinen KIRSCHEN-Stechbeiteln und rundete die Enden anschließend mit einer weiteren Schablone ab.
Die 5-cm-Schlitze habe ich in mehreren Fräsgängen hergestellt. Bei den 14 cm breiten Hölzern blieben links und rechts des ungefähr 5 cm breiten Zapfens jeweils rund 4,5 cm Schulter. Den vollständigen Ablauf zeige ich unter Schlitz und Zapfen herstellen.
Die DRT50 war bei meinem Carport nicht nur für diese tiefen Schlitze wichtig. Später nutzte ich sie mit einer anderen Frässchablone auch für die 27 Sparrenauflager. Makita nennt für die DRT50 unter anderem 6- und 8-mm-Werkzeugaufnahmen; bei meinen Sparren kam ein 8-mm-Fräser zum Einsatz. Hier findest du die offiziellen DRT50-Daten von Makita.
Schritt 3: Die 3 Pfetten auf die Pfosten setzen
Die drei 14×28-cm-Pfetten waren so schwer, dass ich sie nicht einfach von Hand auf die Konstruktion heben wollte. Bei mir wurden sie mit einem Kombi-LKW mit Kran aufgesetzt. Der Kran gehörte einem Bekannten aus dem Umfeld meines Nachbarn – daraus mache ich bewusst keine allgemeine Anschlag- oder Krananleitung.
Pro Pfette-Pfosten-Verbindung verwendete ich bei meinem Carport 1× Tellerkopf 8×360 mm und 2× Zylinderkopf 8×400 mm. Bei sechs Verbindungen waren das 18 lange Holzbauschrauben.
Hier passierte mir außerdem einer der ärgerlichsten Fehler des ganzen Projekts: Ich hatte die Pfetten nicht eindeutig genug markiert. Zwei lagen später falsch herum. Das bemerkte ich erst, als die Sparren bereits oben lagen. Also mussten die Sparren wieder herunter, zwei Pfetten wurden gedreht und anschließend kamen die Sparren erneut nach oben.
Den gesamten Ablauf und die Schraubenpraxis findest du unter Pfetten auf Pfosten befestigen.
Schritt 4: Die 2 vorderen Kopfbänder befestigen
Vorne an meinem Carport sitzen zwei Kopfbänder. Dadurch entstehen vier Anschlussstellen: zwei an den äußeren 14×14-cm-Pfosten und zwei an der 28 cm hohen Pfette.
Gerade hier habe ich gelernt, dass nicht beide Enden eines Bauteils automatisch dasselbe Schraubenbild bekommen müssen. Am Pfosten setzte ich je Kopfband nur eine Zylinderkopfschraube 8×240 mm, weil mir der schräge Schraubweg für eine weitere lange Schraube im 14 cm breiten Pfosten zu kritisch war. An der 28 cm hohen Pfette verwendete ich je 1× Tellerkopf 8×220 mm plus 2× Zylinderkopf 8×240 mm.
Für beide Kopfbänder zusammen habe ich tatsächlich 2 Tellerkopf- und 6 Zylinderkopfschrauben verbaut. Mehr dazu im Beitrag Kopfband am Carport befestigen.
Schritt 5: 27 Sparrenauflager ausklinken
Meine neun Sparren liegen jeweils auf drei Pfetten auf. Damit musste ich 27 Auflagerpositionen herstellen. Die Sparren haben bei meinem Carport einen Querschnitt von 10×20 cm.
Für diese Ausklinkungen baute ich eine eigene Frässchablone mit 3D-gedruckten Einsätzen. Die Dachneigung war dadurch bereits in der Schablone berücksichtigt. Weil die Ausklinkungen an der tiefsten Seite nur ungefähr 1 cm tief waren, reichte bei mir jeweils ein Fräsgang mit der DRT50 und einem 8-mm-Fräser.
Einmal fräste ich in der Mitte zu tief – auch solche Fehler gehören für mich zur echten Projektdokumentation. Die komplette Methode mit Schablone und Bildern findest du unter Sparren ausklinken.
Schritt 6: Die 27 Sparren-Auflager verschrauben
Nach dem Ausklinken mussten die neun Sparren auf allen drei Pfetten befestigt werden. Pro Auflager nutzte ich 1× Tellerkopf 8×280 mm und 2× Zylinderkopf 8×325 mm. Allein für diese 27 Verbindungen kamen damit 81 Schrauben zusammen.
Bei den langen Holzbauschrauben lernte ich auch die Grenzen meiner Werkzeuge kennen. Mein Makita DHP453 schaffte die langen Schrauben ohne Vorbohren nicht vollständig. Ein stärkerer Bosch Professional eines Handwerkers nebenan bekam die Arbeit hin. Später kaufte ich mir einen Makita DTD173; der war besser, aber bei den längsten Schrauben dieses Carportprojekts ebenfalls nicht die erhoffte Universallösung.
Die Schraubenmaße und meine Werkzeugerfahrungen habe ich separat unter Sparren auf Pfetten befestigen dokumentiert.
Schritt 7: Dachschalung aus 3-m-Rauspund verlegen
Als Nächstes kam die sichtbare Dachschalung. Meine Rauspundbretter waren 3 Meter lang. Bei ungefähr 6 Metern Carportbreite und neun Sparren konnte ich von beiden Seiten bis zum mittleren Sparren arbeiten, auf dem die Brettenden zusammentrafen.
Die größte praktische Schwierigkeit waren teilweise verzogene Bretter. Ich habe sie nicht einfach mit den Schrauben in Position gezwungen. Zwingen und Spannbänder halfen mir deutlich besser: erst Nut und Feder zusammenziehen, dann verschrauben.
Verwendet habe ich dafür SPAX 4,5×60 mm. Die sichtbare Unterseite der Dachschalung hatte ich vor der Montage bereits in Serie gestrichen. Den kompletten Ablauf findest du unter Dachschalung am Carport verlegen.
Schritt 8: EPDM-Dachfolie auf der Dachschalung verkleben
Auf die fertige Holzschalung kam bei mir eine große EPDM-Bahn. Meine bestellte FiFox EPDM Dachfolie Classic war 1,2 mm stark und 6,10×6,30 m groß. Laut Rechnung entspricht das 38,43 m² bestellter Folienfläche.
Der Vorteil der großen Bahn war für mich, dass ich auf der Dachfläche keine zusätzliche Naht aus zwei einzelnen Bahnen herstellen musste. Dafür war das Ausrichten und faltenarme Ablegen anspruchsvoller. Mein erster Versuch wurde nicht komplett faltenfrei – mit dem Ergebnis bin ich trotzdem zufrieden.
Folie, Flächenkleber, Randfixierung und Abdichtungskleber kosteten mich bei der Bestellung vom 19.09.2025 insgesamt 652,26 €. Die detaillierte Materialliste und meinen Ablauf findest du unter EPDM-Dachfolie am Carport verlegen.
Schritt 9: Carport schleifen und streichen
Vom Zeitaufwand her gehörte das Schleifen für mich zu den unangenehmsten Arbeiten am ganzen Projekt. Je nach Holzqualität begann ich mit P40, P60 oder P80 und ging später teilweise bis P120.
Mein Makita DBO180 war mir für die vielen großen Holzflächen zu langsam. Ein stärkerer kabelgebundener Bosch Professional eines Nachbarn brachte deutlich mehr Arbeitsfortschritt. Später kaufte ich selbst einen Bosch Professional GEX 125-150 AVE, weil ich an einem Samstag mit dem Projekt weiterkommen wollte.
Beim Streichen war meine Erfahrung deutlich positiver. Die tragende Konstruktion bekam zwei Anstriche Osmo 703 Mahagoni, die Dachschalung und später auch die helleren Bereiche zwei Anstriche 710 Pinie. Osmo führt beide Farbtöne aktuell in der Holzschutz Öl-Lasur für Gartenhäuser und Carports.
Mit Padhalter und Auftrags-Vlies konnte ich für mein Empfinden schnell und kontrolliert arbeiten. Mehr zu Schleifmitteln, Werkzeugen und den beiden Farbtönen findest du unter Carport schleifen und streichen.
5 Fehler und Learnings aus meinem Carportbau
1. Pfetten eindeutiger markieren. „Vorn“, „Mitte“ und „hinten“ reichten bei meinem Aufbau nicht. Heute würde ich zusätzlich innen/außen, links/rechts und Vorder-/Rückseite direkt am Holz markieren.
2. Werkzeugleistung nicht nur nach dem Datenblatt beurteilen. Der DHP453 schaffte meine 220-/240-mm-Kopfband-Schrauben, war bei 360-/400-mm-Holzbauschrauben aber nicht ausreichend. Der reale Schraubfall macht einen großen Unterschied.
3. Bei schrägen Schrauben den tatsächlichen Weg durchs Holz mitdenken. Genau deshalb habe ich am 14×14-cm-Pfosten der Kopfbänder anders verschraubt als an der 28 cm hohen Pfette.
4. Verzogenen Rauspund nicht mit der Schraube geradezwingen. Zwingen und Spannbänder funktionierten für mich deutlich kontrollierter, bevor ich die Bretter festgeschraubt habe.
5. Nicht jedes Detail aus einem Arbeitsschritt blind auf den nächsten übertragen. Der Carport hat mir immer wieder gezeigt, dass Querschnitt, Winkel, Material und Zugänglichkeit die praktische Lösung verändern.
Trotz dieser Fehler würde ich viele Schritte wieder ähnlich angehen. Gerade die Schablonen für wiederkehrende Fräsarbeiten und die konsequente Aufteilung in einzelne Bauphasen haben mir bei diesem großen Projekt geholfen.
Mein Fazit: Der komplette Carport war die Summe vieler kleiner Entscheidungen
Im Rückblick war nicht ein einzelnes Werkzeug oder eine einzelne Verbindung entscheidend. Der Carport entstand Schritt für Schritt: Pfosten sauber positionieren, Holzverbindungen vorbereiten, schwere Pfetten montieren, Kopfbänder ergänzen, Sparren ausklinken und verschrauben, Dach schließen und am Ende Oberfläche und Abdichtung fertigstellen.
Wenn du einen bestimmten Arbeitsschritt nachbauen oder genauer verstehen willst, würde ich deshalb direkt in den jeweiligen Detailartikel springen. Der folgende Themenblock führt zu drei zentralen Einstiegen in meinen Carport-Cluster.
-
Carport-Pfosten aufstellen klingt zunächst nach einem einfachen Arbeitsschritt: Fundament finden, Pfostenträger montieren, Pfosten drauf. Bei meinem Carport war gerade dieser frühe Abschnitt aber entscheidend dafür,…
Hier weiter informieren! -
Sparren auf Pfetten befestigen war bei meinem Carport der nächste Schritt nach dem Ausklinken der 9 Sparren. Weil jeder Sparren auf 3 Pfetten aufliegt, hatte…
Hier weiter informieren! -
Schlitz und Zapfen herstellen war bei meinem selbst gebauten Carport eine der Arbeiten, vor denen ich anfangs am meisten Respekt hatte. Am Ende habe ich…
Hier weiter informieren!